Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)-Anlagen, die gleichzeitig und damit effizient Strom und Wärme erzeugen, spielt ihre Stärken genau dann aus, wenn Sonne und Wind Pause machen. In diesen sogenannten Dunkelflauten liefern KWK-Anlagen zuverlässig Strom und Wärme – ein entscheidender Vorteil in einem Energiesystem, das zunehmend auf erneuerbare Quellen setzt. Genauso wichtig wie die Anlagen selbst ist der Austausch zur KWK unter den Akteuren: Nur wenn Wissen und praktische Erfahrungen geteilt werden, können alle voneinander profitieren.
Ein kleines Jubiläum
Deshalb bietet die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern, den SHK Fachverbänden Rheinland-Rheinhessen und der Pfalz, bereits seit 10 Jahren einen Austausch zu aktuellen Entwicklungen, Praxisprojekten und die strategische Bedeutung der KWK für die Wärmewende an. Zwei solcher BHKW-Anlagen, die kürzlich modernisiert wurden, stellte Michael Maute, Technischer Leiter der Stadtwerke Kusel, beim diesjährigen Erfahrungsaustausch „Kraft-Wärme-Kopplung“ in am 19. November 2025 den rund 20 Teilnehmenden vor. Dabei handelt es sich um die Heizzentrale der Kreissparkasse Kusel und die Heizzentrale des Gymnasiums Kusel.
Praxisbeispiele aus dem Land
In beiden Fällen zeigten Analysen und Vergleichsrechnungen der Stadtwerke Kusel, dass alternative Systeme wie Großwärmepumpen oder kalte Nahwärme aufgrund fehlender Flächen und hoher Investitionskosten nicht realisierbar waren. Die Erneuerung der BHKW war sowohl wirtschaftlich als auch in der CO₂-Bilanz – insbesondere wegen des durch KWK verdrängten Stroms – die bessere Alternative, auch wenn weiterhin fossiler Brennstoff verwendet wird. Das kann möglicherweise durch den zukünftigen Einsatz von Biomethan geändert werden kann. Bis dahin sind die BHKW eine gute Übergangslösung.
Effizienz zum Anfassen
Die Teilnehmenden konnten sich vor Ort ein Bild machen und die Heizzentrale der Kreissparkasse in Kusel besichtigen. Die vier EC-Power-BHKW und die Absorptionskältemaschinen beeindruckten durch ihre Laufruhe und Wartungsintervalle von 8.000 Stunden. Die Stadtwerke Kusel betreiben die gesamte Anlage im Vollservice-Modell – ein Vorgehen, das klare Verantwortlichkeiten schafft und schnelle Reaktionszeiten ermöglicht.
Frank Clos, Technischer Leiter der Kreissparkasse Kusel, lobte die Vorteile dieser Lösung und betonte, wie wichtig verlässliche Partnerschaften für den Betrieb komplexer Energieanlagen sind – ein Ansatz, den die Energie- und Klimaschutzagentur seit Jahren erfolgreich fördert.
Referent Christoph Zeis, stellte bei der Veranstaltung weitere Praxisprojekte vor, darunter die Nahwärmelösungen in Nieder-Olm sowie das in Planung befindliche energieneutrale „Hallenbad Oppenheim“. Diese Beispiele zeigen, wie moderne Quartierssysteme aussehen können – und wie Kommunen durch die fachliche Unterstützung der Energie- und Klimaschutzagentur zu robusten und wirtschaftlichen Entscheidungen gelangen können.
KWK als unverzichtbarer Baustein der klimaneutralen Energieversorgung
Zeis, inzwischen auch Lehrbeauftragter an der FH Bingen, referierte zudem zur „Zukunft der KWK“. Anhand aktueller Strommarktdaten zeigte er, dass KWK-Anlagen gerade in Dunkelflauten zuverlässig Strom und Wärme liefern. Seine Kernthesen:
- Dezentrale KWK ergänzt volatile erneuerbare Energien optimal.
- Sektorenkopplung von Strom, Wärme und Mobilität ist zentral für die Energiewende.
- Flexible KWK-Systeme können positive und negative Residuallasten ausgleichen.
- KWK-Anlagen erreichen über 90 % Gesamtwirkungsgrad und eignen sich für biogene Gase und künftig grünen Wasserstoff.
- KWK ermöglicht schnelle und wirtschaftliche CO₂-Reduktion – ein wichtiger Mehrwert für Kommunen.
Zudem erläuterte Zeis die deutlichen Klima- und Effizienzvorteile der KWK gemäß EU-Effizienz-richtlinie: Besonders bei niedrigen Jahresarbeitszahlen schneiden KWK-Anlagen gegenüber Wärmepumpen besser ab.
Erst die Menschen, dann die Technik
Paul Ngahan, Referatsleiter Nahwärme und Leiter des Kompetenzzentrums Nahwärme betonte bei der Veranstaltung, dass die durchgängig hohe Beteiligung an der seit Jahren etablierten Reihe ein klares Zeichen dafür ist, wie wichtig die neutrale Fachberatung und die Netzwerkangebote der Energie- und Klimaschutzagentur für Kommunen, Energieversorger und Planungsbüros geworden sind. Ngahan erinnerte zudem an seinen ersten Kontakt mit dem heutigen Referenten Christoph Zeis vor zehn Jahren – eine Begegnung, die für ihn selbst und für viele Projekte der Agentur wegweisend wurde. „Oft hört man, die Energiewende brauche Technik – aber eigentlich braucht sie zuerst Menschen. Menschen, die zuhören, die teilen, die unterstützen. Christoph Zeis ist genau so ein Mensch, den man für die Energiewende braucht. Damals wie auch heute“, so Paul Ngahan.