Exkursion zu Agri-PV: Klimaschutzmanager gewinnen praxisnahe Einblicke

Bild: Energie- und Klimaschutzagentur RLP

Agri-Photovoltaik bietet Kommunen eine konkrete Chance, die Energiewende voranzubringen, ohne zusätzliche Flächenkonflikte zu verschärfen: Landwirtschaftliche Flächen können weiterhin genutzt und gleichzeitig zur Stromerzeugung erschlossen werden – ganz ohne die Ausweisung neuer Freiflächen. Für den Landkreis Ahrweiler zeigen Studien bereits das Potenzial: Nach Ergebnissen des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE könnten auf den am besten geeigneten Flächen durch Agri-PV-Anlagen rund 16 % des Stromverbrauchs gedeckt werden.

Zugleich wird deutlich: Agri-PV kann ein Baustein im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung sein. Der vor Ort erzeugte Strom lässt sich beispielsweise für Wärmeanwendungen, Sektorenkopplung oder den Betrieb von Speichern nutzen und trägt damit zur Integration erneuerbarer Energien in lokale Wärmeversorgungssysteme bei. Kommunen können eine koordinierende Rolle übernehmen und im Bauamt die planerischen Weichen für geeignete Projekte stellen. Die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz unterstützt dabei mit fachlicher Expertise.

Wie sich diese Ansätze konkret in der Praxis darstellen, konnten Klimaschutzmanagerinnen und -manager aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz bei einer Exkursion zu einer Agri-PV-Anlage im Obstbau erleben. Ziel war es, Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln und Ansatzpunkte für die kommunale Umsetzung zu identifizieren.

Die Exkursion führte zum Obsthof Nachtwey, auf dem eine innovative Agri-PV-Anlage betrieben wird. Das Projekt wird wissenschaftlich durch das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE begleitet, das die Auswirkungen auf Ertrag, Qualität und Mikroklima untersucht.

Wie können Kommunen Agri-PV umsetzen?

Kommunen können auch selbst aktiv werden und Agri-PV-Projekte vor Ort zu realisieren. Sie kann eigene Flächen für Agri-PV-Anlagen bereitstellen und diese anschließend zur landwirtschaftlichen Nutzung an einen Landwirt verpachten.

Weitere Ansatzpunkte für Kommunen

Die Exkursion hat deutlich gemacht: Agri-PV kann ein wichtiger Baustein für die kommunale Energiewende und Klimaanpassung sein – wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. 

Für eine gezielte Umsetzung braucht es:

  • Engagierte Akteure vor Ort: Landwirte und Landwirtinnen sowie Investoren, etwa Bürgerenergiegenossenschaften
  • Fachlich geschultes Personal in den Bauämtern: zur Begleitung von Genehmigungsprozessen und Flächenplanung (siehe Infopapier Planungs-, Bau- und Genehmigungsrecht)
  • Ganzheitliche Energiekonzepte: mit lokalen Abnehmern wie Ställen, elektrischen Traktoren oder Batteriespeichern
  • Strategischen Netzausbau: zur Integration zusätzlicher Erzeugungskapazitäten

Gerade Kommunen können hier eine koordinierende Rolle einnehmen – etwa durch Flächenbereitstellung, Netzdialoge oder die Unterstützung lokaler Energiepartnerschaften.

Zentrale Erkenntnisse aus der Praxis

Die Teilnehmenden konnten mehrere wichtige Erkenntnisse mitnehmen:

1. Netzinfrastruktur als Schlüssel – und Chance
Der Netzeinspeisepunkt (Trafostation) ist weit mehr als nur die Schnittstelle ins Stromnetz. Vor Ort fungiert er als Energie-Knotenpunkt: Die verfügbare elektrische Energie kann direkt auf dem Feld genutzt werden, etwa für elektrische Hebebühnen oder landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge. Damit eröffnen sich neue Synergien zwischen Energieerzeugung und -nutzung – auch im Kontext der kommunalen Wärmeplanung.

2. Mikroklima als Anpassungsstrategie an den Klimawandel
Unter der Agri-PV-Anlage entsteht ein verändertes Mikroklima. Laut Betreiber entspricht dieses etwa den klimatischen Bedingungen der 1990er-Jahre. Dies kann Hitzestress für die Pflanzen deutlich reduzieren. Besonders eindrücklich: Der Sonnenbrand an Äpfeln konnte im Vergleich zur konventionellen Bewirtschaftung vollständig vermieden werden.

3. Auswirkungen auf den Reifeprozess beachten
Die wissenschaftliche Begleitung zeigt, dass sich der Reifezeitpunkt der Äpfel unter der Anlage um etwa zehn Tage verschiebt. Früh- und spätreifende Sorten sind daher weniger geeignet für den Anbau in Kombination mit Agri-PV.

4. Netzausbau als limitierender Faktor
Eine flächendeckende Umsetzung von Agri-PV ist aktuell durch die vorhandene Netzinfrastruktur begrenzt. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass konventioneller Obstbau weiterhin möglich ist – jedoch ohne die zusätzlichen Vorteile der Energieerzeugung und Klimaanpassung.

 

Fazit

Die Exkursion hat gezeigt, dass Agri-PV nicht nur ein technologischer Ansatz ist, sondern ein integriertes Konzept mit Mehrwert für Landwirtschaft, Energieversorgung und Klimaanpassung. Insbesondere im Zusammenspiel mit der kommunalen Wärmeplanung eröffnet sich für Kommunen in Rheinland-Pfalz die Chance, erneuerbare Energien systematisch zu integrieren und innovative Projekte vor Ort voranzubringen.

 

Zur Agri-PV Datenstory im Energieatlas RLP mit weiteren Informationen zum Thema

Bild: Energie- und Klimaschutzagentur RLP