Bobenheim-Roxheim schließt kommunale Wärmeplanung ab

Die Gemeinde Bobenheim-Roxheim hat die kommunale Wärmeplanung (KWP) abgeschlossen und damit eine zentrale strategische Grundlage geschaffen, um die Wärmeversorgung langfristig klimaneutral, bezahlbar und versorgungssicher auszurichten. Die Planung wurde durch die EnergyEffizienz GmbH erstellt; der Endbericht liegt als Entwurf vom 4. Februar 2026 vor. 

Die kommunale Wärmeplanung zeigt auf, wie sich der Wärmebedarf in den kommenden Jahren entwickeln kann, welche lokalen Potenziale für erneuerbare Wärme vorhanden sind und welche Versorgungsoptionen (z. B. Wärmepumpen, Biomasse, Wärmenetze) in der Gemeinde voraussichtlich besonders geeignet sind. 

Bestandsanalyse: Erdgas dominiert – hoher Modernisierungsbedarf

Die Bestandsanalyse macht deutlich: Die Wärmeversorgung ist aktuell noch stark fossil geprägt. Bobenheim-Roxheim ist vollständig durch ein Gasnetz erschlossen; Erdgas dominiert mit 67 Prozent bei den Hauptheizungen. Heizöl spielt mit 2 Prozent nur eine Nebenrolle; insgesamt wird die Gemeinde derzeit mit mindestens 69 Prozent fossilen Energien versorgt. 

Der Heizungstauschzyklus kann ein zentraler Hebel für die Wärmewende sein: 38 Prozent der Heizungen in Bobenheim-Roxheim sind älter als 20 Jahre, 17 Prozent  älter als 30 Jahre. Das bedeutet, dass in den kommenden Jahren viele Heizungen auf zukunftsfähige Technologien umgestellt werden können. 

Beim Gebäudebestand zeigen sich zudem erhebliche Effizienzpotenziale: Viele Gebäude wurden vor der ersten Wärmeschutzverordnung (1977) errichtet; ein großer Anteil entfällt auf Baualtersklassen 1949–1978 – mit entsprechend hohen Einsparpotenzialen durch energetische Sanierung. 

Der aktuelle jährliche Wärmebedarf (Status quo) in der Gemeinde liegt bei rund 100,32 Gigawattstunden (GWh).

 Große Potenziale: Erneuerbare Wärme und lokale Energiequellen

Die Potenzialanalyse identifiziert ein breites Spektrum an Optionen – von Solarthermie über Umweltwärme und Geothermie bis zu Abwärmequellen. Insgesamt wird ein technisches Wärmeerzeugungspotenzial (über alle betrachteten Technologien) von 1.120,02 GWh ausgewiesen; besonders hervorgehoben wird u. a. ein größeres Potenzial für Freiflächen-Solarthermie.

Ein Beispiel für die Größenordnung: Für Agrothermie wird in der Potenzialanalyse ein technisches Potenzial von 459 GWh pro Jahr genannt. 

„Wichtig ist dabei die Einordnung: Solche technischen Potenziale sind zunächst theoretisch-technisch ermittelt. Für die Umsetzung müssen anschließend Flächenverfügbarkeit, Akzeptanz, Eigentumsverhältnisse, Wirtschaftlichkeit und konkrete Restriktionen vertiefend geprüft werden“, sagt Klimaschutzmanager Georg Balderer. 

Zielszenario 2045: Schwerpunkt dezentrale Lösungen – Wärmepumpen im Zentrum

Für das Zieljahr 2045 strebt Bobenheim-Roxheim einen Energiemix an, der durch erneuerbare Wärmebereitstellung und einen deutlich reduzierten Bedarf geprägt ist. „Laut Wärmeplan können wir das Ziel der Treibhausgasneutralität nach aktuellen Annahmen erreichen, obwohl im Entwurf weder Wärmenetz-Eignunggebiete noch Wärmenetz Prüfgebiete ausgewiesen sind“, sagt Georg Balderer. 

Damit wird für Bobenheim-Roxheim im Zielszenario grundsätzlich eine dezentrale Einzelversorgung angenommen (Gebäudenetze sind theoretisch möglich, im Einzelfall aber wirtschaftlich zu prüfen). Gleichzeitig wird im Bericht darauf hingewiesen, dass in Roxheim ein Bestandswärmenetz existiert. 

Orientierung für Bürgerinnen und Bürger

Die kommunale Wärmeplanung ist nicht verbindlich, sondern dient als strategische Orientierung, welche Lösungen in welchen Bereichen grundsätzlich plausibel sind. 

Für Bobenheim-Roxheim bedeutet die Einstufung als Einzelversorgungsgebiet vor allem:

  • frühzeitig individuelle Optionen (z. B. Wärmepumpe, ggf. Biomasse) prüfen,
  • Sanierungs- und Effizienzmaßnahmen systematisch mitdenken,
  • Beratungs- und Informationsangebote nutzen, um Technik, Wirtschaftlichkeit und Fördermöglichkeiten sauber zu bewerten.

Nächste Schritte: Umsetzungsschwerpunkte in den kommenden Jahren

Der Wärmeplan empfiehlt drei Fokusgebiete, die innerhalb der nächsten fünf Jahre begonnen werden sollen:

  1. Dezentrale Versorgungsoptionen: Informationsreihen, Wirtschaftlichkeitsrechnungen, Fördermittel- und Gesetzesinformationen (inkl. Unterstützung bei Antragstellung) – in Zusammenarbeit mit lokalen Fachakteuren und der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz. 
  2. Sanierungsoffensive: u. a. Thermografie-Aktionen, Praxisworkshops und Themenabende – mit Schwerpunkt auf Gebäuden aus den 1950er bis 1970er Jahren. 
  3. Integrierte Quartierskonzepte & Sanierungsmanagement (KfW 432): für ausgewählte Quartiere, inkl. Koordination und Beratung durch ein Sanierungsmanagement. 

Beteiligung und Beschlussfassung

Die KWP wurde mit Beteiligung zentraler lokaler und regionaler Akteursgruppen (u. a. Bürgerschaft, Gewerbe/Handwerk, Gemeinderat, Gemeindewerke, Stadtwerke Frankenthal) erarbeitet. Als nächste formale Schritte sind im Prozessplan die öffentliche Auslegung (mind. 30 Tage) im Februar 2026 sowie der Feststellungsbeschluss im März 2026 vorgesehen. 

Hinweis zur Infrastruktur-Perspektive: Wasserstoff aktuell nicht vorgesehen

Im Bericht wird die Versorgung/Realisierung von Wasserstoffnetzen derzeit als nicht umsetzbar eingeschätzt; die Entwicklung soll aber beobachtet und in künftigen Fortschreibungen neu bewertet werden.