13.01.2016

Mobil im Kempenicher Land?

Foto: Anna Jessenberger

Wie kann es gelingen, Auszubildende ins Kempenicher Land zu holen? Gibt es ausreichende Angebote des ÖPNV, um den Ausbildungsbetrieb zu erreichen? Diesen Fragen gingen die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion im Rahmen des Neujahrsempfanges des Gewerbeverein Kempenich nach.

Der Gewerbeverein hat sich bereits intensiv mit dieser Fragestellung befasst. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels ist die Besetzung von Lehrstellen wichtig, gestaltet sich aber teilweise schwierig. Lange Wege zum Ausbildungsbetrieb, eventuell noch längere Wege zur Berufsschule stellen sowohl die Azubis als auch deren Familien vor große Herausforderungen. Im „Punktepapier zur Mobilität von Auszubildenden im ländlichen Raum am Beispiel des Kempenicher Landes“ werden die Ausgangslage analysiert sowie Lösungsansätze und Handlungsmöglichkeiten der verschiedenen Beteiligten aufgezeigt. Dazu zählen beispielsweise die Elektromobilität aber auch Gemeindebusse, Car-Sharing-Modelle oder Nutzung von Firmenfahrzeugen. Gemeinsam mit dem Rhein-Ahr Campus sollen Studierende in einem Pflichtpraktikum viele der aufgeworfenen Fragen untersuchen und beantworten.

Uli Adams, Leiter der Lokalredaktion der Rheinzeitung in Bad Neuenahr-Ahrweiler, fragte beispielweise, wie viele Ausbildungsplätze im Bereich des Gewerbevereins vorliegen und woher die Lehrlinge überwiegend kommen und ob sie nach der Ausbildung im Ausbildungsbetrieb verbleiben. Bei der Firma Wolfcraft beispielsweise sind 2015 alle Ausbildungsplätze besetzt worden. Von weiter her kommen sogar diejenigen, die ein duales Studium beginnen, so der Geschäftsführer Thomas Wolff. Beispiele von Lehrlingen aus Ahrweiler zeigen jedoch die Schwierigkeit auf, mit dem ÖPNV nach Kempenich zu gelangen. Wolfgang Schlagwein plädierte für mehr Fantasie und kreative Lösungen und nannte als Beispiel das Projekt „Mobilfalt“ des Nordhessischen Verkehrsverbandes. Hier werden Privat-Pkw`s in den ÖPNV eingebunden. Ein weiteres Beispiel zeigt die Verwendung einer App „Höri Mit“  in der Bodenseeregion, mit deren Hilfe Fahrer und Mitfahrer ihre Fahrten und Mitfahrten organisieren. Wichtig sei, dass alle, die den ÖPNV nutzen wollen, sich an den Planungen und der Gestaltung des Nahverkehrsplanes beteiligen, gleiches gelte auch für die Firmen.

Die Unternehmen könnten sich jedoch auch für einen „Streckenführerschein“ ab 17 Jahren stark machen. Zudem könnten die Firmenfahrzeuge in ein Sharing-System eingebunden und damit besser ausgelastet werden. ÖPNV funktioniert dort gut, wo viele Menschen das gleiche Ziel haben, so Marcel Hürter. Praktikable Lösungen müssen gerade im ländlichen Raum auch außerhalb des klassischen ÖPNV gefunden werden.