26.07.2016

Exkursion zu Nahwärmeprojekten im Hunsrück

Um Ortsgemeinden in der Vulkaneifel bei ihren Überlegungen zum Bau und Betrieb von Nahwärmenetzen zu unterstützen, veranstaltete das Regionalbüro am Samstag (23.07.2016) eine Exkursion zu Beispielprojekten im Rhein-Hunsrück-Kreis. Ziel der Tour waren umgesetzte Projekte in Öffnet externen Link in neuem FensterOber Kostenz und Öffnet externen Link in neuem FensterNeuerkirch-Külz. Vor Ort informierten sich die Teilnehmer über Planung, Umsetzung und Technologien für den effizienten Betrieb von Nahwärmenetzen.

Dabei stand für die Teilnehmer der direkte Erfahrungsaustausch zur Vorgehensweise bei der Planung und zum praktischen Betrieb im Vordergrund. Welche Bedürfnisse der Ortsgemeinden wurden bei dem Planungsprozess berücksichtigt? Fachleute und Praktiker beantworteten viele Detailfragen. Das Ergebnis: Die Biomassenutzung im Wärmebereich ist für kleine Ortschaften umsetzbar und wirtschaftlich, zudem gibt es Effekte im Bereich der regionalen Wertschöpfung. Die Holzhackschnitzelanlagen erzeugen genug Energie und speisen die Wärme über ein Verteilnetz in die angeschlossenen Wohneinheiten. Die Baumaßnahmen und die Verlegung der Rohre kosten natürlich Geld und die Anwohner zeitweise sicherlich auch Nerven.

Der Genossenschaftsanteil in Ober Kostenz beträgt pro Haushalts-Übergabestation/Zeichnung 4.500  Euro. Der Rohstoffvorrat mit Holzhackschnitzeln ist auch gesichert. Ein gutes Stück Eigenleistung insbesondere beim Bau der Heizzentrale haben die Genossen selbst erbracht. Ortsbürgermeister Gerd Schreiner belegt mit seinen Zahlen, dass sich das Projekt für Ober Kostenz "rechnet".

In Neuerkirch-Külz deckt eine Solarthermie-Anlage (1.400 m2) den Wärmebedarf im Sommer. Zwei riesige Pufferspeicher werden dazu beitragen. Die noch im Bau befindliche zentrale Heizanlage in Neuerkirch-Külz wird im Auftrag der beiden Ortsgemeinden von der ERS (als kommunaler Eigenbetrieb der Verbandsgemeinde Simmern) betrieben. Sie geht demnächst in Betrieb und soll dann 140 meist Privathaushalte mit etwa 3 Mio. kWh Wärme pro Jahr versorgen. Dabei übernimmt die ERS hier, wie auch bei ähnlichen Projekten in der Umgebung von Simmern, zentrale Aufgaben und entlastet die Ortsgemeinden. Ziel ist natürlich die emissionsarme, umweltfreundliche Energieversorgung. Die Umstellung der Heizung auf erneuerbare Energien wird überdies von den Ortsgemeinden sogar gefördert. 

"Ohne persönliches Engagement und viel Überzeugungsarbeit und erfahrene Planer lässt sich so etwas allerdings nicht realisieren", meint Aloys Schneider, ehemaliger Ortsbürgermeister von Külz. Im Hunsrück konnten Einnahmen aus Erneuerbare-Energie-Projekten dazu genutzt wurden, erste Studien und Konzepte zur Nahwärme in Auftrag zu geben.  

In Vorfeld der Veranstaltung wurde die aktuelle Interessenlage und der Stand der Überlegungen zu Nahwärmenutzung abgefragt. Während manche Kommunen Probleme bei der Realisierung haben, vor allem aufgrund der derzeit niedrigen Preise für fossile Brennstoffe, denken andere daran, im Zuge ohnehin anstehender Straßenbaumaßnahmen, das Thema anzugehen. Auch wenn man aus terminlichen Gründen nicht an der Fahrt zu den Wärmenetzen im Hunsrück teilnehmen konnte, meldeten einige Gemeinden Informationsbedarf an. Information zu Betreibermodellen, Förderstrategien und Möglichkeiten zur Ansprache der Bürger können weiterhelfen. Auch ist in Bezug auf die jeweilige individuelle Situation vor Ort Hilfestellung gefragt. Zumindest können sie sich nun schon mal aus dem Leitfaden der Energieagentur Rheinland-Pfalz zur Nahwärme den Handlungsrahmen für ihr zukünftiges Tun ableiten.

Der Öffnet externen Link in neuem FensterPraxis-Leitfaden Nahwärme der Energieagentur Rheinland-Pfalz liefert im ersten Teil zahlreiche Anregungen und Hilfestellungen. Teil 2 mit weiteren Handreichungen und Praxisbeispielen wird im Laufe des Jahres folgen. Auf den Rhein-Hunsrück-Kreis zugeschnittene Handlungsmöglichkeiten sind in einem weiteren Leitfaden zu finden. Weitere Praxisbeispiele zu Nahwärmeverbünden finden Sie im Öffnet externen Link in neuem FensterEnergieatlas Rheinland-Pfalz.